A.
Rückblick
Als Reinhold Ebertin
am 14. März 1988 im Alter von 87 Jahren von dieser Welt Abschied nahm,
hatte er ein wechselhaftes, aber erfülltes Leben hinter sich. Dazu
gehörte eine jahrzehntelange journalistische, schriftstellerische,
verlegerische und forschende Arbeit, die Herausgabe von einer astrologischen
Zeitung, einer astrologisch-kosmobiologischen Zeitschrift, zahlreichen
Jahrgängen des Ebertin-Kalender und der „Ebertin Kosmobiologischen
Jahrbücher“ bis hin zur Gründung und Leitung der „Arbeitstagungen
für kosmobiologische Forschung“. Hinzu kamen Vorträge, die Teilnahme
an Rundfunk-Diskussionen, eine Fernsehsendung.
Aber Reinhold Ebertin gehörte auch zu der Generation der seriösen
Astrologen, die unter dem Nazi-Regime zu leiden hatten bis hin zur
Verhaftung durch die Gestapo (Geheime Staats-Polizei des Dritten Reiches)
im Jahr 1941.
B.
Die Anfänge
Nach seiner Berufsausbildung als Lehrer war Reinhold Ebertin zwar
einige Jahre im Schuldienst tätig, aber ihn drängte es zunehmend zu
selbständiger Tätigkeit, wobei vor allem die seriöse Astrologie und
die Graphologie sein besonderes Interesse weckten. In seinem Beitrag
für die Zeitschrift „Meridian“ im Jahre 1986 unter dem Titel „Erkenntnisse
eines alten Kosmobiologen“ (Meridian 1986/1, S. 5ff.) schrieb er selbst:
„Bereits während
des Ersten Weltkrieges erhielt ich von meiner Mutter (Elsbeth Ebertin,
1880 - 1944) die ersten astrologischen Lehrbücher (Libra, E. Parker)
... vom Jahre 1923 an habe ich praktisch gearbeitet, und 1928 begann
ich, meine Zeitschrift herauszugeben, hauptsächlich in der Absicht,
die Zeitungsastrologie zu bekämpfen und den Wahrheitsgehalt der Astrologie
herauszuschälen.“
Nach der Gründung
des Ebertin-Verlages im Oktober 1928 in Erfurt erweiterte sich Reinhold
Ebertins beratende, journalistische und schriftstellerische Tätigkeit
immer mehr. Vor der Gründung seines Verlages hatte er bereits mehrere
astrologische Artikel und zwei Bücher geschrieben, 1927 „Wege zum
Horoskop“ und 1928 „Transite - Welcher Tag ist günstig für mich?“
Am 1. Oktober
1928 erschien die erste Nummer von Reinhold Ebertins Zeitschrift „Astrologischer
Ratgeber“, die Anfang der dreißiger Jahre in „Neue Sternblätter“ umbenannt
wurde. Eine weitere Titeländerung war durch die zunehmenden restriktiven
Maßnahmen gegen die Astrologie durch die Machthaber des Dritten Reiches
notwendig. Der weniger verfängliche Titel hieß nun „Mensch im All“.
In den „Neuen
Sternblättern“ wurde im Februar 1933, in den Tagen um die Machtübernahme
der Nationalsozialisten, ein Artikel des Diplom-Ingenieurs und Astrologen
Gerhard Krüger abgedruckt, worin er schrieb, „daß der Sturz von Adolf
Hitler unausweichlich sei“. Beiträge dieser und ähnlicher Art konnten
dem zunehmend stärker werdenden Regime natürlich nicht willkommen
sein.
C. Die astrologische
Zeitung „Der Seher“
In den dreißiger Jahren erschien eine astrologische Wochenzeitung
mit dem Titel „Neues Deutschland“, die einen deutlich pro-nationalsozialistischen
Kurs verfolgte und eine Auflage bis zu 200 000 Exemplaren erreichte.
Eines Tages erschien
der Prokurist der Keyser’schen Buchhandlung am Anger in Erfurt im
benachbarten Verlagsbüro von Reinhold Ebertin und fragte, ob nicht
gemeinsam eine astrologische Zeitung, aber mit sachlichem und seriösem
Inhalt, herausgegeben werden könnte. Nachdem die Keyser’sche Buchhandlung
in Erfurt und Umgebung 50 Zeitungskioske ihr Eigen nannte und gute
Beziehungen zum Bahnhofsbuchhandel hatte, war innerhalb weniger Tage
die neue astrologische Zeitung „Der Seher“ unter der Schriftleitung
von Reinhold Ebertin geboren. Die erste Nummer erreichte bereits 10
000 Auflage, die sich innerhalb kurzer Zeit auf eine Auflage von 57
000 Exemplaren steigerte.
Aber die wachen
und allgegenwärtigen Augen der Gestapo erkannten schnell, daß der
„Seher“ keineswegs nazifreundlich war. Folge davon war, daß 1933 die
Herausgabe der Zeitung für ein halbes Jahr und 1935 ganz verboten
wurde. Die Zeitschrift „Mensch im All“ dagegen konnte bis April 1941
gehalten werden, dann durfte auch sie nicht mehr erscheinen.
Immerhin gelang
es noch vor Kriegsbeginn, das „Ebertin Kosmobiologische Jahrbuch 1939“
herauszugeben, das erst 1949 nach der 1. „Arbeitstagung für kosmobiologische
Forschung“ in Aalen seine Fortsetzung fand.
D. „Was geschieht
am 11. Mai 1941?“
Vor allem für die jüngeren Interessenten an der seriösen Astrologie
und einer ihrer Weiterentwicklungen zur Kosmobiologie mag es interessant
sein, eine Stück astrologische Geschichte des letzten Jahrhunderts
kennenzulernen.
Die Frage „Was
geschieht am 11. Mai 1941?“ hatte der englische Astrologe Dr. H. Spencer-Jones
1938 allen Astrologen der Welt gestellt. Reinhold Ebertin schrieb
in seiner Autobiographie „Das Schicksal in meiner Hand“ hierüber:
„ ... und diese
Frage hatten wir mit Angabe der Planetenkonstellationen auch in unserer
Zeitschrift „Mensch im All“ schon im November 1938 abgedruckt. Sie
ist m. W. öffentlich nicht beantwortet worden. Als ich aber nach dem
Fluge von Rudolf Hess nach England (am 10. Mai 1941) vom Sicherheitsdienst
verhört wurde und mit gutem Gewissen sagen konnte, daß ich keinerlei
Beziehungen zu Hess unterhalten hatte, fiel mir diese Frage ein. Ich
habe sie mit den Worten beantwortet: „Die erste Friedensmöglichkeit!“
Wenige Tage danach wurde ich früh in Polizei-Uniform auf dem Erfurt-Hochheimer
Polizeirevier verhaftet ... Auch meine Mutter wurde in Freiburg verhaftet
... Von mir hatte man allein drei Lastwagen voll Bücher aus dem Büro
und der Privatwohnung weggefahren.“
Während der sog.
Schutzhaft bei der Gestapo in Erfurt gelang es Reinhold Ebertin, in
seinen konfiszierten Ephemeriden nachzusehen, und er bemerkte dabei,
daß am 16. August 1941 der Jupiter eine Opposition zu Uranus, eine
Konjunktion zu Pluto und ein Quadrat zu Merkur seines Geburtsbildes
bilden würde, und er erwartete deshalb, um den 16. August wieder aus
der Schutzhaft freigelassen zu werden, zumal er sich keiner Schuld
bewußt war. Und in der Tat, er wurde am 16. August 1941 nach 10wöchiger
Haft von der Gestapo entlassen, nachdem er vorher hatte unterschreiben
müssen, über seine Verhaftung und Haftzeit bei der Gestapo anderen
Personen gegenüber keinerlei Mitteilungen zu machen. Er konnte dann
nach seiner Freilassung noch einige Tage in Polizei-Uniform Streife
laufen - wegen einer chronischen Venenentzündung konnte er nicht zur
Wehrmacht eingezogen werden -, wurde aber dann entlassen. Eine weitere
verlegerische, journalistische und schriftstellerische Arbeit war
ihm jedoch untersagt.
E. Zeichenbesetzung und Aspektierung am 11. Mai 1941
Aber
betrachten wir jetzt einmal die Gestirnkonstellation vom 11. Mai 1941.
Auffallend ist, daß die Sonne und fünf Planeten - Merkur, Venus, Jupiter,
Saturn und Uranus - komprimiert im Zeichen Stier standen und dazu
der Mars im Zeichen Wassermann ein Quadrat und der Neptun im Zeichen
Jungfrau ein Trigon bildeten. Hinzu kam, daß diese Konstellation durch
den Vollmond im Zeichen Skorpion noch vervollständigt wurde. Was man
damals noch nicht wußte: Die Kleinplaneten Chiron im Zeichen Krebs
und Vesta um Zeichen Löwe bildeten ein Sextil bzw. ein Quadrat zu
dem Gestirnkomplex im Zeichen Stier.
Nehmen wir einen
engen Orbis (Umkreis) von rund 1°, dann standen Merkur, Venus, Jupiter
und Uranus in Konjunktion, Mars im Quadrat, Chiron im Sextil und Mond
in Opposition dazu. Das alles, sowohl mit dem kleinen oder auch dem
größeren Orbis eine außergewöhnliche kosmische Signatur!
F. Die kosmische
Sprache
Versuchen
wir, die oben genannten Konstellationen in ihrer kosmischen Sprache
zu verstehen, dann könnten wir sagen, daß die Kombination von Sonne,
Saturn und Uranus im Zeichen Stier und dem Quadrat zu Vesta im Zeichen
Löwe ein hohes Maß an Unsicherheit, Spannung, Beunruhigung und Friedlosigkeit
anzeigt, während die Verbindung von Merkur, Jupiter, Venus und dem
Quadrat zu Mars in Wassermann an tätige, ausgleichende, erfolgversprechende
Verhandlungen denken läßt. Mag sein, daß die Aspektierung von Merkur,
Venus und Jupiter mit dem Trigon zu Neptun und dem Sextil zu Chiron
aber letztlich zu Unehrlichkeit, Enttäuschungen bis hin zu verletzenden
und/oder märthyrerhaften Verhaltensweisen den Frieden zu der genannten
Zeit noch nicht möglich werden ließ. Immerhin darf wohl festgestellt
werden, daß eine Friedenskonstellation vorlag, die jedoch nicht genützt
wurde.
G. Nach dem
Zweiten Weltkrieg
Was nun Reinhold Ebertin anbetrifft, konnte er erst nach Kriegsende,
im Herbst 1945, zunächst eine Versandbuchhandlung beginnen und danach
wieder den Ebertin-Verlag Reinhold Ebertin in Aalen/Württemberg eröffnen,
wobei er sich besonders der kosmobiologischen Forschung und Praxis
widmete, die Zeitschriften „Kosmobiologie - Mensch im All“ und „Kosmischer
Beobachter“ und wieder zahlreiche Bücher von sich selbst und von anderen
Autoren herausbrachte.
Seit 1979 ist
der Ebertin-Verlag ein Tochter-Unternehmen des Hermann Bauer Verlages
in Freiburg, zu dem seit Jahrzehnten persönliche und geschäftliche
Beziehungen bestanden. Die beiden Ebertin’schen Zeitschriften wurden
gleichsam zu den Eltern der heutigen Zeitschrift „Meridian“ mit dem
Wunsch, ein Organ für alle seriösen astrologischen Methoden und die
Kosmobiologie zu schaffen.
Aus den „Arbeitstagungen
für kosmobiologische Forschung“ ging 1956 auf Initiative von Reinhold
Ebertin die Arbeitsgemeinschaft „Kosmobiologische Akademie Aalen“
hervor. Sie war nicht als Berufsverband, sondern als Zusammenschluß
der forschenden seriösen Astrologen und Kosmobiologen gedacht. Diese
Arbeitsgemeinschaft führt die „Arbeitstagungen für kosmobiologische
Forschung“ unter Leitung ihres 1. Vorsitzenden, Herbert Böss, Stuttgart,
weiter. 2001 fand die 52. Arbeitstagung in Stuttgart statt.
H. Warum Kosmobiologie?
Der Begriff der Kosmobiologie wurde 1914 von dem Wiener Arzt Dr.
Friedrich Feerhow (Pseudonym für Dr. Wehofer) geprägt. Er verstand
darunter, daß die Astrologie aus einer einseitig symbolisch, mythologisch
und schicksalsorientierten Form herausfinden und sich zusätzlich auch
mit den Naturwissenschaften und deren Erkenntnissen beschäftigen und
auseinandersetzen müsse.
Ebertin übernahm
diesen Begriff bereits vor Beginn des Zweiten Weltkrieges, um sich
und seine Arbeit gegenüber der Vulgär-Astrologie abzusetzen, aber
auch die ganzheitliche, geisteswissenschaftliche und naturwissenschaftliche
Sichtweise zu dokumentieren, die über die traditionelle Astrologie
hinausgehen sollte.
In der kosmobiologischen
Forschung und Praxis spielen graphische und damit leichter vergleichbare
Methoden eine große Rolle. Dazu gehören die Kombination von Tierkreis
und 90°-Kreis mit den entsprechenden Formularen, die „Kosmischen Strukturbilder“
oder Halbsummen-Strukturen, die Graphischen 45°-Ephemeriden, die Graphischen
45°-Halbsummen-Ephemeriden, die Graphischen Deklinations-Ephemeriden,
das Kosmopsychogramm, die Jahreskurve auf Transitbasis, die Lebensdiagramme
mit einem Überblick über 60 Lebensjahre auf der Basis der Sonnenbogen-Direktionen
und Progressionen.
Diese von Reinhold
Ebertin entwickelten graphischen Methoden haben sich heute weltweit
durchgesetzt, vor allem im englischsprachigen Raum. Dazu gehören vor
allem der Anbieter Matrix Software im US-Staat Michigan, der seit
vielen Jahren mit dem Haus Ebertin zusammenarbeitet; ferner die australische
Forschungsgemeinschaft „Regulus Ebertin Cosmobiology Group“ unter
Leitung von Mrs. Doris Greaves mit einer großen Anzahl inzwischen
eigener kosmobiologischer Veröffentlichungen und einer eigenen Zeitschrift,
die amerikanische kosmobiologische Forschungsgruppe um Mrs. Eleanor
Kimmel, ebenfalls mit weiteren kosmobiologischen Büchern und einer
kosmobiologischen Zeitschrift.
In Großbritannien wurde das Hauptwerk von Reinhold Ebertin, die „Kombination
der Gestirneinflüsse“ in den fünfziger Jahren von Dr. Alfred G. Roosedale
in die englische Sprache übersetzt. Von da an wurden das kosmobiologische
Werk von Reinhold Ebertin in Großbritannien und von dort aus in anderen
englischsprachigen Ländern bekannt.
I. Auswahl
aus den Büchern von Reinhold Ebertin
Aus den zahlreichen Büchern von Reinhold Ebertin sollen nachstehend
die wichtigsten Titel genannt werden, wobei die
„Kombination der Gestirneinflüsse“,
die „KdG“ besonders
herausragt, weil sie nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland
weite Verbreitung fand. Die KdG ist seit den sechziger Jahren in englischer
Sprache auf dem internationalen Markt, und in den letzten Jahren kamen
Übersetzungen in die französische, schwedische, holländische und sogar
russische Sprache hinzu.
Nachstehend eine
Auswahl von weiteren bekannten Titeln mit mehrfachen bis zahlreichen
Auflagen, fremdsprachliche Ausgaben in Klammern:
1.
Vorschau durch Direktionen. Erfurt 1931. (Engl.)
2. Die kosmische Ehe. Erfurt 1936. (Engl.)
3. Kartei kosmobiologischer Entsprechungen. Erfurt 1939.
4.Hilfstabellen zur Berechnung der Gestirne. Erfurt 1939.
(Engl.)
5. Kombination der Gestirneinflüsse. Erfurt 1940.
(Engl., franz., holländisch, schwedisch,
russisch).
6. Anatomische Entsprechungen der Tierkreisgrade.
Aalen 1949. (Engl.)
7. Das 90°-Arbeitsgerät in der Praxis. Aalen 1949. (Engl.)
8. Charakter und Schicksal im Kosmogramm. Aalen 1949.
9. Kosmopsychologie. Aalen 1949.
10. Die kosmischen Grundlagen unseres Lebens,
2 Bände, in Zusammenarbeit
mit
Baldur R. Ebertin. Aalen
1955/56.
11. Die Jahreskurve. Aalen 1957. (Engl.).
12. Gesicherte Schnelldiagnose. Aalen 1959. (Engl.).
13. Geburtszeit und Lebensereignis. Aalen 1959.
14. Sternenbahnen, Weltgeschehen, Menschenwege. Aalen 1960.
15. Das Doppelgesicht des Kosmos. Aalen 1962.
16. Angewandte Kosmobiologie. Aalen 1963. (Engl.).
17. Der Einfluß des Pluto auf das Liebesleben. Aalen 1965. (Engl.).
18. Pluto-Entsprechungen zum Weltgeschehen und
zum Menschenleben. Aalen
1965.
19. Das Kontakt-Kosmogramm. Aalen 1966. (Engl., russisch).
20. Das Schicksal in meiner Hand. Aalen 1966. (Engl.)
21. Direktionen - Mitgestalter des Schicksals. Aalen 1967. (Engl.)
22. Lebensdiagramme. Aalen 1968. (Engl.)
23. Das Jahresdiagramm als Lebenshilfe. Aalen 1971. (Engl.)
24. Das Schicksal des deutschen Volkes. Aalen 1975.
25. Sterne helfen heilen. Freiburg/Br. 1981. (Engl.)
Reinhold Ebertin
darf heute als der auch nach seinem Tod (1988) noch weltweit bekannteste
deutsche seriöse Astrologe und Kosmobiologe gelten, dessen Arbeiten
auch in andere Sprachen übersetzt wurden. Sein Name wird wohl für
immer verbunden bleiben mit der Weiterentwicklung der traditionellen
Astrologie zur ganzheitlichen, geistes- und naturwissenschaftlichen
Sichtweise.