Dr.
Baldur R. Ebertin, Dipl. Psych., Heilpraktiker, Autor
Die eigene Lebensgeschichte
entdecken
Jeder von uns mußte sicher
schon einen Lebenslauf schreiben, für die Schule, die Ausbildung, den Beruf.
Doch im Allgemeinen gibt ein solcher Lebenslauf nur bruchstückhaft einen
Einblick in die bisherige Lebensgeschichte mit ihren Hoch- und Tiefpunkten,
Freuden und Enttäuschungen, mehr oder weniger angenehmen und unangenehmen
Erfahrungen.
Bei Bewerbungen um eine Position in einem Unternehmen halten sich die Stellungssuchenden
meist mit Aussagen über sich selbst zurück, so als müßten
sie möglichst viel von ihrer wahren Persönlichkeit verbergen.
Dabei kann jemand doch nur dann gerecht beurteilt werden, wenn ein Optimum an
Informationen über Werdegang, Interessen und Fähigkeiten verfügbar
ist.
Wenn es nun einmal um den ungeschminkten Rückblick auf das eigene Leben
geht, um Einsichten, warum das Leben in bestimmter Weise ablief und welche Folgerungen
daraus für gegenwärtige Reifungsprozesse und künftige Lebensgestaltung
gewonnen werden können, dann wird es sich lohnen, seine Lebensgeschichte
aufzuschreiben und von Zeit zu Zeit zu ergänzen.
Manche Menschen müssen sich regelrecht überwinden, Aufzeichnungen
über sich selbst zu Papier zu bringen. Der Nutzen daraus ist jedoch, daß
sogenannte
Aha-Erlebnisse
entstehen und damit wichtige Erkenntnisse
über sich selbst gewonnen werden können. Wer von uns ist schon frei
geblieben von Fehlschlägen und Mißerfolgen, von körperlichen
und seelischen Verletzungen, von Phasen der Resignation und Trauer?
Wohl niemand! Aber wir können aus solchen negativen Erlebnissen wie auch
aus unseren Freuden und Höhen des Lebens lernen. Das Wort:
Es ist noch kein
Meister vom Himmel gefallen!
hat nach wie vor seine Berechtigung.
Die Hintergründe von Fehlschlägen können in vielen Fällen
erkannt werden, wenn man sich darum bemüht. Um sie künftig zu vermeiden
und seine Lebensverhältnisse zu verbessern, können Strategien entwickelt
werden.
Aber vor der Therapie muß die Diagnose stehen, in unserem Fall das Aufzeichnen
der bisherigen Lebensgeschichte. Dazu nun einige Vorschläge, die sich aus
der psychologischen und psycho-therapeutischen Arbeit mit Klienten und Patienten
ergeben haben:
Anregungen zur Aufzeichnung der
eigenen Lebensgeschichte
- Bereiten Sie für alle 5 Lebensjahre
einen Bogen DIN A 4 vor, also für die Zeit 0-5, 6-10, 11-15 Jahre usw.
- Beschreiben Sie den Charakter,
das Verhalten, den Beruf Ihres Vaters bzw. Ihrer Mutter.
- Falls Sie Geschwister haben, beschreiben
Sie auch deren Charakter, Verhalten und Beruf.
- Halten Sie Rückschau auf
die Art der Erziehung im Elternhaus: Konservativ, pedantisch, autoritär,
liberal, beengend, fördernd, kirchlich, freigeistig.
- Beschreiben Sie die Art des Lobes:
Anerkennend, ermutigend, anregend, weitere Leistung fordernd, gute Leistungen
und Taten als etwas Selbstverständliches, die deshalb nicht gewürdigt
werden müßten.
- Lassen Sie sich die Art der Bestrafung
durch den Kopf gehen, ohne die gern gebrauchte Floskel, daß es ja immer
gut gemeint gewesen wäre: Man brauchte mich nur anzusehen!
- Ich bekam immer gleich ein schlechtes Gewissen! - Klaps, Ohrfeige,
Prügel und womit - Moralischer Druck - Erpressung - Entzug von Beachtung,
Anerkennung, Zuwendung, Nachtisch, Süßigkeiten, Essen und Trinken,
Schmusen und Liebe - Einsperren - Eine zeitlang nicht miteinander sprechen
- Erörterung der Fehler oder der Strafe - Verzicht auf Betrafung.
- Schildern Sie das Milieu des Elternhauses:
Durchschnittlich, kleinbürgerlich, spießig, groß-zügig,
gebildet, gleichgültig gegenüber höheren Werten.
- Das geistige Niveau: Einfach,
gehoben, anspruchsvoll, geistige Anregungen; Förderung von Lesen, Erlernen
von Sprachen, von Musikinstrumenten, Einladungen, Gesellschaften, Sport, Reisen,
künstlerische Ambitionen.
- Förderung der Interessen:
Literatur, Sammeln von Briefmarken u. a., Musik, Technik, Motoren, Sprachen,
Naturwissenschaften, Geisteswissenschaften, Grenzgebiete des Wissens.
- Ausbildung: Schulen, Lehre, Studium,
Praktika, Beruf, Berufswechsel, Abbruch beruflicher Ausbildung, Aufstieg,
Abstieg, Weiterbildung, Neuorientierung.
- Kameradschaften, Freundschaften,
Gruppen, Gemeinschaften, Sympathien und Antipathien.
- Partnerschaften, Verhältnisse,
Ehe(n), Trennungen, Scheidung. Bedenken Sie dabei, auf welche Art von Partner
Sie einrasten, wie es zu Bindungen kam, aus welchen Gründen
sie ggf. auseinandergingen. Was wirkte anziehend, was löste Trennung
aus?
- Schlüssel-Erlebnisse: Gravierende
und das weitere Leben besonders prägende Ereignisse.
- Mitmenschen: Familie, Verwandte,
Nachbarschaft, Schule, Beruf, Bekanntschaften.
- Sympathien und Antipathien: Welche
Menschen hatten Sie gern in Ihrer Nähe, welche hätten Sie am liebsten
auf den Mond geschossen?
- Beginnen Sie die Niederschrift
möglichst bald und schreiben Sie, wie es aus der Feder fließt.
Beschönigen und entschuldigen Sie nichts. Wenn Ihnen nichts mehr einfällt,
brechen Sie ab und ergänzen in den folgenden Tagen um das, was Ihnen
inzwischen eingefallen ist.
- Es gibt Aufzeichnungen, die Ihnen
die Tränen in die Augen treiben oder Sie aufwühlen.
Lassen Sie diese Erregungen nach oben in Ihr Bewußtsein kommen, weinen
Sie ruhig, und nach einiger Zeit werden Sie deutlich Erleichterung spüren.
- Wenn Ihnen beim Aufschreiben nach
Musik zumute ist, dann wählen Sie bewußt die Art von Klängen
und Melodien, die Sie im Augenblick als angenehm empfinden. Das kann eine
Symphonie sein, ein Orgelkonzert, Gitarren- oder Mantra-Musik. Bedenken Sie,
Musik kann eine beruhigende, tröstende, heilende Wirkung haben. Wenn
Sie dann den Wunsch haben, die Augen zu schließen und sich zu entspannen,
dann kommen Sie diesem Verlangen nach. Es wird Ihnen gut tun.
- Zur Lebensgeschichte gehören
auch die Träume. Sie aufzuschreiben und über sie nach-zudenken,
kann ihren tieferen Inhalt erspüren und erkennen lassen.
In dem einen und anderen Fall kann
der Wunsch entstehen, mit einem Fachmann aus Heilkunde, Psychologie, Psychotherapie
die erstellten Aufzeichnungen zur Lebensgeschichte zu besprechen. Damit kann
aus den eigenen Aufzeichnungen ein größerer persönlicher Gewinn
gezogen werden.
Weitere Information über e-mail:
BREBERTIN@aol.com
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Aktualisiert: 31.08.2001
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