Dr. Baldur R. Ebertin, Dipl. Psych., Heilpraktiker

Gesundheit und Krankheit - eine Polarität?

 


Tägliche Erfahrung an uns selbst und anderen zeigt uns eine Polarität zwischen Gesundheit und Krankheit. Vollkommene Gesundheit stellt sich dabei für die meisten von uns sicher als ein Ideal dar; denn wer ist tatsächlich zu 100% gesund?
Gesundheit hat mit Lebensfreude, Leistungsfähigkeit, Erfüllung, vorwiegend positiven zwischenmenschlichen Begegnungen zu tun.
Krank fühlen wir uns, wenn das Befinden beeinträchtigt ist, wir schnell ermüden, uns erschöpfen, lustlos herumsitzen, keine Kraft, „keinen Mumm in den Knochen“ haben, „aus dem Rennen geworfen“ sind, einige Zeit das Bett hüten müssen.
Diese Polarität, dieser Spannungszustand zwischen Gesundheit und Krankheit, wurde von dem Philosophen Jean Gebser als bedeutsam für unsere Persönlichkeitsreifung an-gesehen, und er schrieb dazu über den Menschen:


„Solange er diesen Spannungszustand im Gleichgewicht zu halten vermag, ist er lebens- und wirkfähig. Überwiegt der andere Pol, so nähert er sich, gleichgültig ob krank oder gesund, der Todesgrenze oder dem bloßen Vegetieren, welches Vegetieren vom Psychischen aus gesehen mit dem Tode verwandt ist“.

Man könnte daraus schließen, daß ein gewisses Maß an Krankheit und damit ver-bundenem Unwohlsein die Lebenskräfte anrege, weil man ja wieder gesunden will. In einem seiner Bücher zitierte Gebser einen Artikel mit der Überschrift „Normalgesund“:


„Fünfzig Männer wurden von den Psychiatern der Universität Minnesota ausgesucht, die der heutigen Definition von geistiger Normalgesundheit so genau wie möglich entsprachen: gut, umweltangepaßt, häuslich, stabil, verläßlich, berufstüchtig.
Man untersuchte diese Elite und fand, daß alle ausgesprochen phantasielos, interessenbegrenzt, sozial uninteressant, ja, sogar unaufmerksam für die Erziehung und Laufbahn der eigenen Kinder waren ..... Normalgesundheit bedeutet Mangel an schöpferischer Fähigkeit, Vorstellungskraft und Ursprünglichkeit.“


Allem Anschein nach kann die Polarität zwischen Gesundheit und Krankheit Kräfte in uns entstehen lassen, auf die Rhythmik unseres Körpers zu achten, für ein harmonisches Seelenleben zu sorgen, mit uns selbst und der Mitwelt „im Reinen“ zu sein.
Mit zunehmendem Alter spüren wir, daß uns körperliche und seelische Gesundheit nicht zufällt, sondern wir uns täglich um sie bemühen müssen.
Dazu gehören Körperpflege, Bewegung, Spaziergänge, Wanderungen, Tautreten, Gymnastik, Sport, Beachten des Schlaf-und-Wach-Rhythmus, bewußte und der Leistungsfähigkeit entsprechende Zeiteinteilung, dem Körper und den Interessen dienende Freizeitgestaltung. Und nicht zuletzt spielt die Ernährung eine besonders wichtige Rolle, wenn wir uns gesund und leistungsfähig halten wollen.
Wir wissen heute, daß trotz eines großen Angebotes an Obst, Salat, Gemüse und anderen Nahrungsmitteln die übliche Ernährung oft sehr arm an Vitalstoffen, also Vitaminen, Mineralien, Spurenelementen, geworden ist. Andererseits wird der menschliche Organismus durch die Einnahme bestimmter Medikamente wie auch täglichen Stress und starke berufliche Belastungen hohen Anstrengungen ausgesetzt. In solchen und vielen anderen Fällen sind neben qualitativ hochwertigen Frucht- und Gemüsesäften auch Nahrungs-Ergänzungsmittel angezeigt.
Diese sollten jedoch nicht wahllos eingenommen werden; sinnvoller ist es, einem Fachmann seine möglichen Beschwerden oder Erkrankungen zu schildern und sich darauf aufbauend beraten zu lassen.

Die Regenerations-Kur und die Urlaubs-Therapie

Da und dort sind eine Kur, ein Sanatoriums- oder Klinik-Aufenthalt notwendig, um wieder gesund zu werden, sich zu entspannen und neue Lebenskräfte gewinnen zu können.
Nehmen wir solche Zeiten bewußt an als Chancen zum Innehalten, Besinnen, Nachdenken und vielleicht auch Umdenken! Viktor von Weizsäcker, äußerte in seinem Werk „Pathosophie“ psycho-somatische Gedanken, von denen einige zitiert werden:

„Eine üble Stimmung, ein apathischer Zustand, eine schlaflose Stunde haben doch zu bedeuten, daß mein Körper sich meinen Wünschen widersetzt, daß er mich zu einem anderen Wunsch oder zu einem anderen Weg überzeugen möchte. Ich soll anscheinend meine Gedanken ändern oder meine Hand-lungen durch andere ersetzen ...“

Beschwerden, Schmerzen, innere Unruhe, Krankheiten können uns also zu etwas auffordern: Wir selbst, unsere ganze Persönlichkeit, unsere Verhaltensweisen, unsere Lebensgeschichte verlangen besondere Beachtung bis hin zu der Frage nach unseren weiteren Lebenszielen, unserem Tod und der Zeit danach. So wird es für uns wichtig sein, die körperlichen und seelischen Zeichen ernst zu nehmen und uns nach dem tieferen Sinn einer organischen oder funktionellen Erkrankung bis hin zu unseren Ängsten, Vermeidungshaltungen, da und dort auch depressiven Stimmungen zu fragen.
Sowohl Gesundheit als auch Krankheit bergen in sich so etwas wie Vorteile und Nachteile. So verbinden sich für den gesunden Menschen Können und Sollen, Möglichkeit und Pflicht miteinander; Krankheit dagegen hat mit Müssen und Verzichten einerseits, Lernen und Einsicht andererseits zu tun, aber auch mit der Gefahr, die Gesunden zugunsten der Kranken moralisch unter Druck zu setzen und sogar zu erpressen.
Eine erste Hilfe, die Hintergründe körperlicher und seelischer Beschwerden zu finden, kann die Art unserer Beschreibung des entsprechenden Zustandes sein:

„Mir ist so, wie wenn ....“

Ja, wie denn? Wie wenn ich „den Boden unter den Füßen verliere“? Wie wenn mir übel wird, sowie ich nur an bestimmte Situationen und Erlebnisse denke? Wie wenn mir vor lauter Schmerzen „der Kopf zerbrechen würde“?
Aber nicht alle körperlichen und seelischen Erkrankungen kann man selbst ergründen. Da und dort ist fachlicher Rat bei Arzt, Heilpraktiker, Psychologen oder auch Psychotherapeuten nötig.
Weitere Informationen über e-mail: BREBERTIN@aol.com.

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Aktualisiert: 31.08.2001
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